| |
»Sie sollten mich einfach alle in Ruhe lassen!« Aus Annas Stimme klang viel Verzweiflung. Emmanuel Tämmler fasste sich die junge Frau und drückte sie an den seinen Körper. »Ganz ruhig, Anna! Ganz ruhig. Für keinen wäre es ein Vorteil, wenn du jetzt völlig durchdrehst, Kindchen.« Jovinus wiederholte trotzdem noch einmal: »Ich will Euch keinesfalls belästigen, Kaiserin, doch muss ich eine Antwort erhalten. Selbst unter günstigsten Umständen werden etliche Billionen Menschen im Dritten Distrikt verbleiben müssen. Sie sind dem Untergang geweiht. Die Regierungen fragen nach, ob weitere VERVOER verfügbar sind.« Tränen ließen die Augen der Kaiserin glänzen. »Ich habe einen Fehler begangen«, flüsterte sie Tämmler ins Ohr. »Ich hätte VERVOER produzieren sollen, statt Waffen und Kampfroboter.« »Woran sollen wir uns erfreuen, wenn absolut niemand einen Fehler macht? Du hast das getan, was du für richtig hieltest. Danach ist man immer klüger.« Er streichelte sanft ihr Haar. »Außerdem ...« Anna blickte in Tämmlers Gesicht auf. »... außerdem kann momentan niemand wissen, ob die Menschen, die in den Ersten Distrikt gebracht wurden, tatsächlich gerettet sind.« Vorsichtig löste sich Anna von Tämmler. »Wie meinst du das? Es gibt keinen Antimateriesturm im Ersten Distrikt.« »Es gibt ihn noch nicht, Kindchen. Wir sollten uns nichts vormachen. Ich glaube nicht mehr daran, dass die Distriktgrenzen ein Hindernis darstellen.« »Was soll ich antworten, Kaiserin?«, fragte das Thronario dazwischen. »Wenn wir nicht mehr daran glauben, dass die Menschheit im Ersten Distrikt sicher ist, dann geben wir auf!« Annas Stimme war heiser. »Glaubst du nicht, dass viele Menschen längst aufgegeben haben? Es gibt vielleicht keine täglichen Medien in diesem Distrikt. Doch entstehen sie bereits. Und die ersten Meldungen berichten von Massenselbstmorden und dem Entstehen barbarischer Sekten in verschiedenen Kolonien. Menschenopfer werden gebracht, psychische Krankheiten breiten sich aus. Wir sollten auf jeden Fall berücksichtigen, dass es zu einem großen Ende kommen könnte.« »Die Heiden sagten aber ...« »Was soll ich antworten, Kaiserin?« »Die Heiden! Die Heiden!« Nun wurde auch Tämmler laut. »Ich kann es nicht mehr hören. Was sind die Heiden überhaupt? So etwas wie die Götter unserer Vorfahren? Haben wir nicht gelästert über deren Anbetungen? Vielleicht versteckt sich hinter den Heiden ein durchgeknallter Synusier, der uns einfach nur verarschen will?« »Du willst mich nicht verstehen, Emma.« »Was soll ich antworten, Kaiserin?« »Natürlich verstehe ich dich, Anna! Doch musst du unbedingt die Dinge von allen Seiten betrachten, nicht nur von der, die dir am besten gefällt!« Ruckartig wandte sich Anna zu Jovinus um. »Teile den Regierungen mit, dass keine weiteren VERVOER zur Verfügung stehen.« Anschließend wischte sie Tränen von ihren Wangen, rückte die Krone mit dem Schleier gerade, zog den Schleier etwas vor ihr Gesicht und ging voller Elan auf eine Schleuse zu. »Aufmachen!«, befahl sie laut. Das große Tor öffnete sich sanft. Anna trat in die Kuppelhalle der Pyramide, Jovinus schwebte ihr nach, Tämmler folgte nicht. Geräuschvoller schloss sich die Schleuse wieder. Die Kaiserin blieb hinter dem Portal stehen und schaute sich um. Es bot sich ihr ein merkwürdiger Anblick. Die Bänke und Tische, die in dieser Halle installiert waren und dem Rat der Planeten oder anderen Gremien dienen sollten, hatte man bis auf eine einzige Gruppe versenkt. Diese stand allein im Zentrum der gewaltigen Halle, die mehrere Hundert Meter in der Höhe zu einer Spitze auslief. Die Beleuchtung wirkte äußerst spärlich und kühl. Ein Roboter fuhr in diesem Moment mit knirschendem Fahrwerk aus einer Versorgungsluke. Er passte sich dem skurrilen Gesamtbild problemlos an. Sein Kopf drehte sich Anna zu. Er trug eine Schürze, unter der eine Waffe hervorragte. In den Greifern hielt er artistisch ein Tablett mit Gläsern und gefüllten Tellern. Er fuhr zum einzigen Tisch, deckte ihn vorbildlich und sprach dann mit röhrender, männlicher Stimme: »Kaiserin, es ist angerichtet.« Sodann drehte sich der Roboter auf der Stelle und verschwand ebenso geräuschvoll hinter der sich schließenden Versorgungsluke. Am Tisch saß der dicke Mann, schäbig und abstoßend. Er blickte auf die Speisen, nicht zu Anna. Jovinus flog in eine dunkle Ecke und begann dort einen lautlosen Datenaustausch mit Plaabla, dem Thronario, das Veit Erso stets begleitete. Zögernd lief Anna durch die Kuppelhalle auf den Tisch zu, blieb davor stehen und betrachtete Veit Erso. »Setz dich, Kaiserkindchen, sonst wird alles kalt!«, murmelte der Mann und leckte sich die Lippen. Anna brachte zunächst kein Wort heraus. Sie nahm ihren Platz ein, zog die Krone mit Schleier vom Kopf und ließ beides neben sich auf den Boden fallen. »B1-1B hat das Essen zubereitet. Austern von Aurus, Brot von Fees und Honig von Rook. Dazu ein Gemüse, das die Mbaganianer Pgah nennen. Einfach köstlich! Und ein guter Wein von Universus. Greif zu, kleine Kaiserin! Es ist vielleicht die letzte Spende aus dem Vorratsraum des QUWATAHULYAS.« Veit Erso packte sich den Teller voll und begann sein Mahl. Er redete mit vollem Mund. »Mein Schiff wurde beschlagnahmt. Zum Transport von Menschen. Was ist? Hast du keinen Appetit? Du kannst es besser vertragen als ich.« Eine Minute lang beobachtete Anna den alten Mann. Dann nahm sie sich etwas Pgah und stocherte darin herum. »Du bist der merkwürdigste Mensch, dem ich jemals begegnet bin«, flüsterte sie. Einen Augenblick lang schaute Veit Erso kauend auf. »Nein, Kindchen. Ich bin der normalste Mensch, dem du jemals begegnet bist. Und das macht mich so merkwürdig in deinen Augen.« »Ich ...« »Du musst dich nicht entschuldigen, Anna«, unterbrach der Alte. »Das wollte ich auch nicht.« Die Kaiserin konzentrierte sich auf die Gedanken Veit Ersos und erschrak. »Du weißt davon?«, fragte sie. »Wie naiv bist du, einen Mann mit meinen Erfahrungen derart zu unterschätzen? Mein Plaabla hatte die Speicher deines Thronarios schon ausgelesen, bevor du einmal mit deinen wundervollen Augen geblinzelt hast.« Veit Erso lächelte. »Er hat die Sicherheitsroutinen geknackt?« Nun aß Anna von dem mbaganianischen Gemüse und fand es äußerst geschmackvoll. »Das ist seine Spezialität. Und? Schmeckt dir das Pgah?« Zögernd nickte die Kaiserin. »Schade, dass es davon nie wieder etwas geben wird. Mbaga wurde vor wenigen Stunden vernichtet.« Wieder blickte Veit Erso hoch. »Mbaga auch?«, flüsterte Anna. »Es wird dich hart treffen, vermutlich hat es dir niemand erzählt. Auch Aurus gehört der Vergangenheit an.« Anna schluckte und schwieg, während ihr Gegenüber genüsslich aß und schmatzte. »Ich genieße dieses Essen. Du solltest das auch tun! Mach es wie ich: Während du isst, nimmst du in Gedanken Abschied von all den wundervollen Planeten, von seinen Menschen und Errungenschaften, von sinnvollen Ideen und von weniger sinnvollen Erfindungen. Von Freunden und Bekannten, von Tieren, die man mochte, und von Pflanzen, über die man sich freute. Der Abschied ruft wundervolle Bilder aus der Vergangenheit zurück.« Veit Erso nahm sich Nachschlag. »Den wundervollsten Sonnenuntergang sah ich einst auf Aurus. Glasklar spiegelte sich die Sonne auf der Wasseroberfläche wieder, als versuchte sie aus dem Wasser aufzutauchen. Und ... die aufregendste Schlucht, die sah ich auf dem ikonischen Planeten Yilon. Unten floss ein rot fluoreszierender Strom zwischen schwarzen, bizarren Felsmassiven hindurch und ergoss sich in einem grell erstrahlenden Wasserfall, der ununterbrochen die Farbe wechselte und einen Regenbogen erzeugte, den man schlichtweg nicht beschreiben kann. Das lustigste Tier lernte ich auf Kuus kennen, die Kinder dort nannten es Doin, weil es immer gleichzeitig mit seinen acht Beinen vom Boden absprang, sich in der Luft drehte und mit einem Doin-Ton wieder aufkam. Dem gefährlichsten Tier begegnete ich auf Taunus zwei. Kennst du das Flabdallab? Nein? Ein kleines Kuscheltier, unglaublich niedlich, es ist anhänglich und tut stets so, als wenn es gegrault werden will. Man kann es auch graulen und streicheln, man kann mit ihm schmusen. Doch sollte man sich innerhalb einiger Sekunden danach in Sicherheit bringen.« Veit Erso lachte auf. »Denn das Flabdallab lebt stets in Symbiose mit einem Taunus-Tiger. Vier Meter hoch, Krallen wie Rasierklingen und zwölf Säbelzähne, jeder länger als mein Bein. Die Pärchen arbeiten super zusammen. Das Flabdallab sorgt für die Fleischnahrung des Taunus-Tigers, der Milchdrüsen hat, an denen sich das Flabdallab laben kann. Dummerweise wusste ich davon nichts. Per IMT wurde ich gerettet, aber ...« Er klopfte sich auf die blechern klingenden Oberschenkel. »... die Beine durfte ich nicht mitnehmen.« Erneut lachte der Mann. Anna nahm sich kleine Mengen der verschiedenen Speisen. »Probier die Austern, Kaisermädchen!« Veit Erso schaufelte der Kaiserin vier Austern auf den Teller. »Ich kenne diese Austern.« Anna starrte auf den Teller. Tränen tropften von ihrem Kinn. Sogleich verzog Veit Erso das Gesicht. »Nein, nein, Kindchen, geweint wird erst ganz am Ende! Noch gibt man uns etwas Zeit, dieses einzigartige Mahl zu genießen.« Mit dem Ärmel seines Hemdes langte er über den Tisch und wischte die Tränen weg. »Du wirst an deine Freunde auf Aurus erinnert, wenn du diese Austern isst?« Anna nickte und weinte erneut. »Ich hatte auf Universus mal eine Freundin.« Veit Erso aß unbeirrt weiter. »Ziemlich kräftig war sie. Aber eine gute Frau. Und eine gute Köchin. Sie hat Plasmachemie studiert, war eine der besten auf diesem Gebiet. Und dann bekam sie von irgendeinem Typen Drillinge und vergaß den ganzen Plasmaquatsch. Sie genoss ihr Leben mit den Kindern. Vielleicht hättest du das auch tun sollen.« Anna kaute auf der Stelle. Dann blickte sie den alten, dicken Mann lange an. »Vielleicht«, flüsterte sie schließlich. »Vielleicht hätte ich Kinder gebären und eine gute Mutter werden sollen. Doch war ich dafür nicht bestimmt.« Veit Erso rülpste ohne Rücksicht, dann klopfte er sich auf den Bauch und meinte: »Jetzt passt wieder was rein.« Er nahm sich erneut Nachschlag. »Was war das schönste Erlebnis in deinem Leben, kleiner Kaisersprössling? Erzählst du mir davon? Bitte!« Fast schien es, als würde Anna nachdenken. »Du kannst dich nicht entscheiden. Also gab es viele erinnernswerte Geschehnisse in deiner Vergangenheit, nicht wahr?« »Es war damals, im Rat der Planeten, auf Universus«, flüsterte die Kaiserin. »Immer wieder muss ich daran denken. Der Ikonier Tokahn von Rook kam auf mich zu. Wir standen auf dem Flur am Büffet, auf dem mir noch nicht bekannte Speisen und Getränke aufgetafelt waren. Tokahn sagte: Probier das! Die Kinder auf Rook lieben den Hahmahm-Honig, egal ob es Menschen- oder Ikonierkinder sind. Ich war mir unsicher, was diesen merkwürdigen Ikonier betraf. Er war anders als die anderen. Ich nahm ein kleines Glas und blickte mich suchend um. Er wird geschlürft und der Becher mit der Zunge ausgeleckt, hat Tokahn gesagt. Als meine Zunge den schwarzen Honig berührte, entstand an der Zungenspitze ein feines Prickeln. Es war ein angenehmer, süßer Geschmack. Wer macht diesen Honig?, habe ich gefragt und er erzählte mir von Rook, von den Insekten. Plötzlich berührte er mit zwei Tentakelenden mein Haar, und ich schreckte zurück, worauf er sagte: Du findest mich abstoßend? Du findest alle Ikonier abstoßend, vermute ich. Es beruht auf Gegenseitigkeit. Den meisten Ikoniern geht es nicht anders mit euch Menschen. Nur, wenn Mensch und Ikonier lange genug zusammenleben, dann beginnen sie damit, sich zu mögen und zu verstehen. Du bist ein kluges und schönes Menschenkind. Und ich antwortete, dass ich schlechte Erfahrungen mit Ikoniern gemacht habe. Er meinte: Intelligente Wesensgemeinschaften produzieren stets gute und weniger gute Individuen. Wir beobachteten Thomas Schmitts, der von etwas sehr Hartem abbeißen wollte, was ihm aber nicht gelang. Und Tokahn fand es auch lustig. Er half Thomas Schmitts und öffnete ihm die golosische Flasche. Dann trank Thomas das Golos-Bier und erstickte fast an dem würzig-scharfen Getränk. Später schlief er seinen Rausch in der Loge aus. Er sah zu köstlich aus.« Anna lachte! »Es gefällt mir, wenn du lachst, kleine Kaiserin«, sagte Veit Erso. »Das Lachen gibt deinem Gesicht sein kindliches und friedliches Aussehen wieder. Es macht dich unbeschreiblich schön.« »Hör auf damit, sonst bilde ich mir etwas darauf ein!« Anna wurde wieder ernst. »Tokahn opferte später sein Leben, um Malte und mich zu retten.« Veit Erso nickte. »Tokahn war ein guter Mann. Ich kannte ihn persönlich. Er war ein Held und er ist es heute noch. Siehst du, Kindchen, er versuchte vielen Menschen Mut zu machen, egal wie schlecht die Zeiten waren. Diese positive Eigenschaft ist nur wenigen Führungspersönlichkeiten in diesem Universum vergönnt. Willst du einen Rat von einem alten, hässlichen Ingenieur hören?« Zunächst zögerte Anna. Doch dann fragte sie still und leise: »Wie lautet dein Rat?« »Zunächst solltest du dich hier und jetzt richtig satt essen. Dann rufst du den Rat der Planeten ein, nimm wenn die Regierungen nicht da sind irgendwelche Typen, die ihren Planeten vertreten. Versuche auch ein paar Ikonier dabei zu haben. Gaukle dem Rat vor, dass sich alles zum Positiven wenden wird. Beruhige das Chaos wenigsten partiell. Dann schare deine besten Freunde um dich und frag sie, was sie vom Rätsel der Heiden halten. Beiß dich nicht an deiner eigenen Meinung fest, hörst du?« Veit Erso ließ eine kurze Pause vergehen. »Und starte unbedingt den Versuch, wieder häufiger zu lächeln, Kindchen. Das steckt die anderen an, glaub mir.« Anna nahm sich in Gedanken versunken verschiedene Speisen auf den Teller, aß und schluckte, während sie von Veit Erso beobachtet wurde. Schließlich wischte sie sich über die Lippen und fragte: »Sag mir, was deine Meinung zum Rätsel der Heiden ist.« Der alte Mann lächelte. »Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht.« »Hast du nicht?« »Nein. Habe ich nicht.« Noch einmal stopfte sich Veit Erso etwas Pgah-Gemüse in den Mund. »Plaabla hat es für mich getan.« Laut rief er: »Plaabla, komm zu mir und sag der ehrenwerten Kaiserin, was du zum Rätsel der Heiden für eine Meinung hast!« Das Thronario schwebte näher an den Tisch heran. Jovinus folgte ihm schwach leuchtend. »Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich bei den Heiden Re und Atum um intelligente, jedoch keineswegs ausgewachsene Wesen handelt. Ich habe ihr Verhalten mit den Aufzeichnungen meiner Datenbanken zum Verhalten von individuellen Menschen und Ikoniern in den letzten eintausend Jahren verglichen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent sollten wir davon ausgehen, dass es sich bei der Handlung der Heiden um den Versuch einer Wiedergutmachung früherer Verfehlungen handelt.« »Was ... was sollte das für eine Verfehlung sein?« Anna schielte ein wenig, als sie das Thronario betrachtete, das direkt vor ihrer Nase schwebte. »Da wir nur wenige Daten über die Heiden besitzen, könnte die Verfehlung mit der Heidenspur in Zweiten Distrikt zusammenhängen, die ein gewisser Mbaganianer zu einem Zeit- und Distriktsprung in den Ersten Distrikt nutzte. Sein Name ist Fau Holl.« Angestrengt dachte Anna nach. »Du bezeichnest den kurzzeitig existierenden Übergang als Verfehlung der Heiden?« »Es könnte sein, dass es sich dabei um eine solche handelt.« Plaabla vibrierte leicht. »Es könnte sein, dass die Heiden Re und Atum ohne Erlaubnis in unser Universum eingegriffen haben und dabei etwas auslösten, was wir als Antimateriesturm und Vernichtungswelle wahrnehmen.« Erneut sinnierte die Kaiserin. »Und nun versuchen sie das Chaos zu mindern ... Sie gaukeln uns vor, dass wir gerettet werden könnten, um später behaupten zu können, sie hätten alles getan, um ihren Fehler wieder gut zu machen? Ist das deine Meinung?« »Meinung? Entschuldigt, Kaiserin! Thronarios haben keine eigene Meinung. Sie kommen zu einem Ergebnis, wenn eine konkrete Fragestellung vorliegt, indem sie alle verfügbaren Daten vergleichen und über komplizierte Wahrscheinlichkeitsberechnungen die bestmögliche Antwort ermitteln.« Veit Erso lächelte noch. »Immerhin: Bisher lag Plaabla meist richtig mit seinen Wahrscheinlichkeitsberechnungen.« »Ja«, flüsterte Anna. »Immerhin ... Kann Plaabla auch interpretieren, was die Heiden mit ihrem Rätsel meinen ... ähm ... könnten?« »Die Kaiserin meint, was sich hinter den Worten: Hat sich dein Geburtsplanet zehnmal vollständig um den persönlichen Stern bewegt, so soll deine Lebensform die letzte bleibende und geduldete sein, so sie im Ersten Distrikt den Tempel Imhoteps errichtet hat und vollzählig zugegen ist. versteckt?« Das Thronario berührte fast Annas rechte Wange. »Ich habe Veit Erso die Worte übersetzt, so wie ich sie übersetzen würde.« »Und ... wie lautet die Übersetzung?« »Innerhalb von zehn irdischen Jahren muss eine Verbindung zu den Heiden hergestellt werden, dann wird ein in diesem Moment anwesender und berücksichtigter Kreis von Wesen bei den Heiden in Sicherheit gebracht.« Fast eine Minute des Schweigens verging. Dann fragte Anna in einem leisen Worthauch: »Was meinst du, Plaabla, wer ist dieser anwesende und berücksichtigte Kreis von Wesen?« »Auf diese Frage kann ich keine eindeutige Antwort berechnen, Kaiserin. Die Aufzeichnungen sind nicht ausreichend, um eine Eingrenzung vornehmen zu können.« »Es gibt keine Antwort?« »Ich verfolgte das subjektive Ausgrenzungsverfahren. Demnach bleiben etliche Gruppen von Wesen übrig, die in Frage kämen.« »Nenn mir diese Gruppen! Bitte, Plaabla!« Anna hielt das Thronario mit beiden Händen fest. »Menschen, Frauen, Mädchen, Angehörige der Kaiserfamilie, Abgeordnete des Rates der Planeten und Synusier.« Plaabla ratterte die Worte heraus. »Synusier?«, hauchte Anna. »Ja, Kaiserin. Auch die Synusier als Gruppe könnten gemeint sein.«
|