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Leipziger Internet Zeitung Und auch diese Saga geht gar nicht gut aus: Die Kaiserin des Reiches Altoria Ralf Julke 03.12.2010 Wie beendet man eine fünfbändige Weltraum-Saga, wenn man die wichtigsten Bösewichte ausgeschaltet hat? Erst recht, wenn man die üblichen Spielmuster des Genres schon alle durch den Kakao gezogen hat? Ein Problem, vor dem Tino Hemmann stand bei seinem fünften Buch der Reihe "Der Rat der Planeten". Der Titel ist Programm: Es ging die ganze Zeit um eine Art Weltraum-UNO mit Hunderten von Zivilisationen, die sich im Rat der Planeten so benahmen, wie die meisten irdischen Länder in der UNO: kleinkariert, egoistisch, auf Platzhirsche und Lagerfronten fixiert. Man kann die Reihe der Unzulänglichkeiten ja fortsetzen. Das Problem an der Großen Politik ist: Sie ist im besten Fall auch nur kleine Politik, die Akteure sind überfordert und schlichtweg Amtsbewahrer oder Karrieristen. Und unter ihnen spielen die alten und neuen Feindschaften, Ängste und Egos und diverse Geheimabsprachen und geldwerte Feilschereien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dass die USA die UNO-Diplomaten weidlich ausforschen, ist nicht wirklich neu. Auch wenn emsige Leser bei Wikileaks nun nachlesen können, was da ausgeforscht wird. Nur einen wesentlichen Unterschied gibt es: Wenn in einer Weltraumsaga die feindlichen Flotten vernichtet und die Bösewichter zerstrahlt sind, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Ein Blick in die irdische Wirklichkeit aber zeigt: Es gibt keine Sieger. Die Guten von Gestern sind die Bösen von Heute und vielleicht die Verbündeten von Morgen, alle sitzen an denselben Fleischtöpfen, Diktatoren kann man (vielleicht) aus dem Amt jagen, die Leute, die ihnen ihre Diktatur finanziert haben, eher nicht. Und so wirken natürlich Tino Hemmanns Bauteile fürs Finale seiner Saga eher wie Spielzeug. Wieder spielen ein paar hochbegabte Kinder ein paar Hauptrollen. Eins der hochbegabten Kinder aus dem letzten Band, Anna, ist jetzt die all-mächtige Kaiserin des Reiches Altoria und tut augenscheinlich Dinge, die genauso scheußlich sind wie das, was ihre diversen bösen Vorgänger im höchsten Amt angerichtet haben. Sie fängt mit einer gewaltigen Bereinigung der Zivilisationen an, lässt ganze Planetenbevölkerungen mit Riesenraumschiffen durchs All transportieren. Und schuld daran ist der kryptische Spruch eines uralten Roboters, der vor einer unsäglichen Gefahr gewarnt hat - die nun auch tatsächlich über das gesamte Sternenreich hereinbricht. Wer sich nach den ersten Bänden vielleicht doch eher auf ein Finale gefreut hat, bei dem der Mummenschanz moderner irdische Geheimdiplomatie noch einmal kräftig durch den Kakao gezogen wird, wird sich getäuscht sehen. Die Bausteine der klassischen Weltraum-Saga haben auch ihre Grenzen. Sie kennen einfach kein denkbares Ende - außer dem einen, das nun auch hier über die drei Distrikte hinrollt. Am Ende gibt es dann doch noch eine überraschende Lösung, die durchaus philosophische Tiefe hat und mit der uralten Vermutung spielt, die Götter würden mit ihren Geschöpfen eh nur Schabernack spielen. Was freilich nur wenig darüber hintröstet, dass sich große Teile des Finales eben doch lesen, als würde man eines der üblichen Weltraum-Ballerspiele spielen müssen, bei dem man Tausende feindliche Raumschiffe abschießen und Hekatomben von Angreifern annihilieren muss, um aufs nächste Level zu kommen. Das höhere Level kann durchaus das sein, was hier am Ende geschieht: Ein mythisches Irgendwo für ein paar Übriggebliebene, das hier Synus heißt. Und der "Rat der Planeten"? - Einfach in Nichts aufgelöst. Was dann auch wieder Sinn macht. Denn es gibt über all dem politischen Gezänk auch auf Erden kein mythisches Ziel. Es gibt nur einen einzigen Blauen Planeten, mit dem am Ende auch die Großmäuler, Einsacker und Strippenzieher auskommen müssen. Die Lösungen liegen eben nicht im Reich der Götter. Und sie sind eher nicht heldenhaft. Aber wie soll man Sagas schreiben, wenn man keine Kaiser und Mächtigsten Männer verwenden darf? - Eine schöne Frage für alle, die unbedingt glauben, in die Geschichtsbücher kommen zu müssen. Und diese Frage lassen wir hier jetzt einfach stehen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||